So gehen die Energiedienstleister mit den neuen Herausforderungen um

Mit der Energiewende kommen neue Herausforderungen auf die Stromanbieter zu. Auch die steigende Anzahl an E-Autos trägt ihren Teil dazu bei. Wir haben uns angesehen, was der verstärkte Einsatz von erneuerbaren Energien mit sich bringt und wie der Netzausbau in Sachsen voranschreitet.

  • Erneuerbare Energien und E-Autos stellen neue Ansprüche ans Stromnetz
  • Netzausbau und intelligente Netze sorgen für Versorgungssicherheit
  • Die sächsischen Energiedienstleister investieren bereits heute hohe Summen

Die Energiewende gehört zu den größten Herausforderungen unserer Zeit. Denn zwei Drittel unseres Strombedarfs sollen innerhalb der nächsten 10 Jahre durch regenerative Energien erzeugt werden, vor allem um den CO2-Ausstoß massiv zu reduzieren.

Der Ausbau unserer Stromnetze ist bei der Energiewende von zentraler Bedeutung. Zum einen wird Strom durch den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien zunehmend dezentral erzeugt. Zum anderen ist die Menge des Stroms, die erzeugt wird, nicht derartig planbar, wie zum Beispiel mit Kohlekraftwerken. Nicht zuletzt wird der Strombedarf durch Elektrifizierung des Verkehrs- und teils auch Wärmesektors insgesamt deutlich steigen.

Außerdem spielen auch E-Autos eine wichtige Rolle. Unsere Stromnetze sind zwar nicht in Gefahr, wegen steigender Elektroautozahlen zusammenzubrechen. Dennoch müssen die Netze auch dieser zusätzlichen Belastung standhalten und dementsprechend mitwachsen.

Die Herausforderungen beim Netzausbau

Von großer Bedeutung ist dabei der „Aktionsplan Stromnetz“, der 2018 von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier vorgestellt wurde. Der Netzausbau und der Einsatz intelligenter Steuerung der Stromnetze stellen darin ein zentrales Anliegen der Bundesregierung dar. Außerdem wurden wirtschaftliche Anreize für den Netzausbau konkretisiert. Um dabei die Dauer der Genehmigungsverfahren zu reduzieren, wurde 2019 das Netzausbaubeschleunigungsgesetz 2.0 beschlossen. Planungsrechtliche Vereinfachungen und neue Instrumente zur Bewirtschaftung von Netzengpässen im Verteilnetz stellen den Kern des Gesetzes dar.

So gehen die Energiedienstleister damit um

Auch die sächsischen Energiedienstleister stehen vor großen Herausforderungen durch Energiewende und zunehmende Anzahl an Elektroautos. Jedoch wird kontinuierlich daran gearbeitet und die Weichen für die Zukunft gestellt. Wie diese aussehen kann, beschreibt Dr. Frank Brinkmann, Vorstandsvorsitzender von ENSO und Sprecher der DREWAG-Geschäftsführung:

Dr. Frank Brinkmann: „Ich bin fest davon überzeugt, dass Stadtwerke auch in Zukunft eine feste Größe in der Energiewirtschaft sein werden. Gerade auch deswegen, weil Stadtwerke sich zunehmend nicht mehr nur als Energieversorger oder Energiedienstleister, sondern auch als Infrastrukturbetreiber begreifen, etwa im Bereich Glasfaserkabel, Elektromobilität oder im Wohnungsbau.“

Konkrete Projekte bei Netzausbau und Ladeinfrastruktur

Der Netzausbau beschränkt sich dabei nicht nur auf Stromtrassen und Hochspannungsleitungen. Um die Versorgungssicherheit auch in Spitzenzeiten gewährleisten können, setzen zum Beispiel DREWAG und ENSO auf die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft. Dadurch sollen eigene Innovationen vorangetrieben werden. Eine Möglichkeit stellt der Neubau eines Kraftwerks dar, das Schwankungen im Tagesverlauf flexibel ausgleichen kann.

Elementarer Teil eines Stromnetzes sind auch Umspannwerke und Trafostationen. Parallel zum Ersatz von Freileitungen durch Erdkabel hat MITNETZ STROM – Tochtergesellschaft von enviaM – im vergangenen Jahr 258.000.000 Euro ausgegeben. Dazu zählte unter anderem die Erneuerung der Mittelspannungsanlage im Umspannwerk Taucha. Außerdem flossen 20.000.000 Euro in digitale Projekte, um in ein intelligentes, steuerbares und flexibles Stromnetz zu investieren.

Auf Seite der Ladeinfrastruktur setzen sich die sächsischen Energiedienstleister auch für die Errichtung öffentlicher Ladesäulen ein. So hat Eins in den vergangenen 2 Jahren 48 Ladepunkte in Chemnitz errichtet. Auch in diesem Jahr geht der Ausbau weiter. So werden weitere Ladepunkte und Schnellladesäulen in der drittgrößten Stadt Sachsens entstehen. Dabei sollen auch Wohngebiete in Zukunft flächendeckend über die nötige Ladeinfrastruktur verfügen. Mindestens eine Ladestation wird es in jedem Gebiet mit Mehrfamilienhäusern geben.

Auch in Leipzig wird in den Ausbau einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur investiert. Derzeit stehen bereits 170 Ladepunkte zur Verfügung, die zum größten Teil von den Leipziger Stadtwerken betrieben und bewirtschaftet werden. Wichtig hierbei ist die flexible Nutzung mit einer Vielzahl an Bezahl- und Abrechnungssystemen.

Auch in Leipzig wird in den Ausbau einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur investiert. Derzeit stehen bereits 170 Ladepunkte zur Verfügung, die zum größten Teil von den Leipziger Stadtwerken betrieben und bewirtschaftet werden. Wichtig hierbei ist die flexible Nutzung mit einer Vielzahl an Bezahl- und Abrechnungssystemen. 

Intelligente Netze für mehr Flexibilität

Neben dem Ausbau des Netzes leistet auch die Digitalisierung der Stromwirtschaft einen wichtigen Beitrag zur Netzstabilität. Intelligente Netze sollen auf der einen Seite Ressourcen bei Netzausbau schonen und auf der anderen Seite die bestehende Infrastruktur optimieren.

In Bezug auf E-Autos ist die Idee, dass die Fahrzeuge in den meisten Fällen nicht sofort geladen werden müssen. Ein Elektroauto, das in der Garage an der eigenen Wallbox die ganze Nacht angeschlossen ist, kann durch eine intelligente Steuerung dann geladen werden, wenn gerade wenig Last auf dem örtlichen Netz liegt.

Wie die Kunden ein derartiges System annehmen, hat enviaM-Tochter MITNETZ STROM in Thüringen ausprobiert. E-Auto-Fahrer hatten in diesem Versuch die Wahl zwischen einer sofortigen Ladung und einem günstigeren Flextarif, bei dem das Fahrzeug bis zu einer bestimmten Uhrzeit vollgeladen sein musste. Wann die Ladung stattgefunden hat, spielte dabei keine Rolle. Der Großteil hat sich für das flexible Laden entschieden, wodurch die Spitzenlast stark reduziert werden konnte. Zudem kann die Übertragungsfähigkeit des Stromnetzes durch technischen Entwicklungen wie den Phasenumschalter besser ausgenutzt werden. So können bis zu drei Mal mehr Elektrofahrzeuge parallel laden – ganz ohne Netzausbau!

Zukünftig ist es denkbar, dass nicht nur der Strom flexibel in die Akkus eines E-Autos fließt, sondern sogar Netze, Elektroautos und Ladepunkte miteinander kommunizieren. Die Kunden und Fahrer würden davon nichts mitbekommen und dennoch alle mit einem vollen Akku in den neuen Tag starten.

Die eigene Wallbox in der Garage

Damit E-Autos schnell und sicher auch zu Hause geladen werden können, empfiehlt sich die Installation einer Wallbox. Dabei bieten Ihnen alle sächsischen Energiedienstleister ihre Unterstützung an, wenn Sie sich für eine eigene Ladestation interessieren. Dies beginnt mit einer Beratung zu passenden Produkten und einer eventuell notwendigen Anpassung der Zuleitungen. Außerdem erhalten Sie die passende Wallbox und die Möglichkeit, in einem Komplettpaket die komplette Installation durch qualifiziertes Fachpersonal erledigen zu lassen.

Die Energiewende ist in vollem Gange und der Wechsel zu Elektromobilität spielt dabei eine große Rolle. Damit das Stromnetz so zuverlässig bleibt, wie wir es in Deutschland gewohnt sind, müssen große Investitionen getätigt werden. Das Stromnetz wird digitaler, moderner und größer. Auch die Ladeinfrastruktur wächst mit der steigenden Zahl an E-Autos mit. Eine große Herausforderung, die die sächsischen Energieversorger bereits heute in Angriff nehmen.